Was hat ein vor ca. 50 Jahren verstorbener indischer Yogi mit der Blockchain gemeinsam?

Beide bringen Bewegung in eine neue Richtung. Der Unterschied ist, die Blockchaintechnologie steht am Anfang, während die Lehre des Yogi kaum noch Beachtung findet, obwohl sie nicht nur noch aktuell ist, sondern wie die Blockchaintechnologie nach wie vor zukunftsweisend ist.

Im Gegensatz zu den meisten spirituellen Lehren, insbesondere derer Indiens, war für ihn das weltliche Leben kein Gegensatz zu einer spirituellen Haltung. Im Gegenteil er sah die Notwendigkeit, beides zusammenzubringen, denn der heutige Mensch ist in seiner Sichtweise nur eine weitere Stufe der Evolution, aber nicht deren Ende. Auch hielt er diese Weiterentwicklung nur für möglich wenn die Menschheit innerlich reifen würde. Zu dieser Reife gehört aber auch ein anderes Verständnis des menschlichen Miteinanders. Eines seiner bekanntesten, noch heute existierenden Projekte ist Auroville. – ein Ort, wo Menschen aus vielen unterschiedlichen Nationen zusammenleben und die Zukunft in vielfältiger Weise versuchen zu gestalten.

Für ihn ist Kooperation etwas grundsätzliches, die aber nur wirklich funktionieren kann, wenn ein Menschenbild von Gleichberechtigung und Wertschätzung der individuellen Eigenheit der anderen innerlich verankert ist. Davon sind in der heutigen Arbeitswelt zwar schon einige Ansätze zu erkennen, aber das wirklich tiefe veränderte Bewusstsein fehlt noch, und viel zu oft herrscht noch ein heimlicher ungesunder Konkurrenzkampf auf Grund zu begrenzter Sichtweise, unter anderem hinsichtlich von Arbeitsplatzbeschreibung, Arbeitszeit und Bezahlung.
In einem Sportteam können zwar immer nur die Anzahl der Spieler mitwirken wie es den Regeln entsprechend ist, aber in Spitzenteams sind für die einzelnen Positionen verschiedene Spieler mit unterschiedlichen Fähigkeiten vorhanden, die je nach Bedarf eingesetzt werden. Für Sri Aurobindo gibt es für die individuellen Fähigkeiten auch immer irgendwo einen Bedarf und ihr Zusammenwirken bringt mehr, als lediglich den oder die Beste(n) zu finden und durch Konkurrenz zum Herausquetschen der Leistungsgrenze zu treiben.

Doch auch für den einzelnen in der heutigen Welt, insbesondere der Arbeitswelt, sind seine Unterweisungen nicht nur hilfreich, sondern Voraussetzung um die Anforderungen in einer Haltung bewältigen zu können, die nicht ständig irgendwelche Techniken benötigt, die helfen Stress, Burnout, u.Ä. aufzufangen oder zu vermeiden.
Es geht zuerst darum, zu erleben aus welcher Haltung und Einstellung diese Zustände sich ereignen und zu erleben wie es sich anfühlt, in einem Zustand von „In-sich ruhen“ und Gelassenheit zu sein, dass es in einem einen Ort permanenter Kraft gibt der immer existiert. Durch diese Erfahrung und das Verständnis, warum dieser Zustand, welcher zum natürlichen Sein gehört, verloren gegangen ist und auch anfangs immer wieder verloren geht, kann eine Wandlung zu einem permanenten „Darin-zu-Hause-sein“ geschehen.

Was ist nun diese Erkenntnis? Es ist eine nicht durch logisches Denken erreichbare Erfahrung und Einsicht, dass man seine Identität im Verstand beheimatet, der ein Ich gebildet hat und einen Körper besitzt, anstatt mit dem gesamten energetischen Organismus – zu dem auch ein Verstand gehört – der aber mehr ist als das was allgemein als Körper, Geist und Seele bezeichnet wird, eins zu sein. Der Verlust dieser Verbindung führt unter anderem zu einem nicht mehr Wahrnehmen von geistigen Fehlhaltungen, die zuerst zu energetischen Blockaden – damit zu Muskelanspannungen und -Verhärtungen als nächstes schließlich zu Krankheiten führen. Bin ich hingegen eins mit diesem Organismus, der meinen Namen trägt und in der Welt ist, nehme ich sofort jede Unstimmigkeit wahr und kann entsprechend reagieren. Diese Haltung, die natürliche Grundausrichtung zurück gewonnen zu haben ist der zweite Schritt.
Was ist schon ein nach Achtsamkeit Strebender gegen einen, der aufgehört hat, Achtlosigkeit zu kreieren? (Gerd Walter Roshi Zen und Aikidomeister)

Dieser natürliche Seinszustand hat eine intensivere Wahrnehmung zur Folge, wozu auch die Wahrnehmung einer mir inhärenten individuellen Zielgerichtetheit, meiner wahren Authentizität, gehört. Jeder möchte individuell sein, einzig und unverwechselbar. Doch natürliche Authentizität kann nicht gemacht werden. Sie ist von Anfang an da, doch wird sie im Laufe des Lebens mehr und mehr verstellt, bei dem Einen mehr und bei einem anderen Menschen weniger.

Erst im Erleben des wahren Zustandes wird die entstandene Entfremdung deutlich. Alle irgendwie konstruierten individualistischen Rollenspiele werden jetzt als aufgesetzt und unecht erlebt. Ebenso ein „Sich-Verlieren“ und Aufgeben an den Zeitgeist und unkontrolliertes Übernehmen – von daher unbewusst – von Verhaltensweisen und Sprache. Das Aufrechterhalten dieser unnatürlichen Haltung bedarf einer ständigen Anstrengung, die allerdings völlig ins Unbewusste abgesunken ist. Somit ist eine ständige Verspannung die Grundhaltung im täglichen Leben zu der sich noch andere ständig hinzugesellen. Hingegen gibt das Mitfließen mit der persönlichen Zielgerichtetheit ein Gefühl von Leichtigkeit und Effizienz. (Dies ist eine Entsprechung zu Laotses WuWei.)

Zu diesem „Fluss“ gehören auch immer wieder natürliche Phasen der Ruhe und das Stillstandes. Hier gilt es zu lernen, diese als zugehörige Sequenzen des Lebens zu sehen und zu akzeptieren. Es ist wichtig sich diese passive Zeit zu gönnen, anstatt sie mit hektischer Aktivität zu füllen, weil ja Zeit für Effektivität genutzt werden sollte oder sie mit irgendwelchen Ablenkungen zu übertünchen. Leider haben wir verlernt ,Passivität als etwas zum Leben zugehöriges zu sehen, und nutzen sie als Konsument von etwas anderem. In der heutigen Zeit zählt nur Wachstum und Effektivität, und beides ist aus heutiger Sichtweise mit Aktivität verknüpft. Passivität wird mit Stillstand gleichgesetzt. Doch ständige Aktivität fördert einen Tunnelblick, bei dem es nicht mehr möglich wird, wirklich Neues und Überraschendes zu erkennen. Passivität bedeutet auch Offenheit in alle Richtungen.

So kommen oft Neuerungen im Außen von anderer Seite wo diese Offenheit vorhanden ist. Wenn Passivität und Stille nicht nur mit unguten Gefühlen ertragen werden, sondern sie aktiv als Offenheit erlebt werden, kommt es zu unerwarteten Inspirationen und neuen kreativen Schüben. Diese Form von Passivität ist für die meisten Menschen ungewohnt und Ungeduld drängt sie vorzeitig in neue Aktivität die aber nur unbefriedigende und eingeschränkte Erfolge bringt. Effektive Passivität muss neu gelernt werden. Dazu gehört, so seltsam es auch klingen mag, sich seinen Ängsten zu stellen, den Passivität und Stille hebt den Deckel der Aktivität, die diese im Verborgenem hält. Im Zen wird gesagt: der schwerste Kampf ist der auf dem Sitzkissen.

Die Zielgerichtetheit drängt einen nämlich von alleine zu einer ständigen Weiterentwicklung der wirklichen individuellen Persönlichkeit und ihrer Fähigkeiten, aber auch zum Einbringen dieser in die Allgemeinheit zu ihrem positiven Fortschritt. Durch die Wahrnehmung von Zusammenhängen ist die Weiterentwicklung durch ein ökologisches Verständnis determiniert. Der persönliche Fortschritt kann nur noch im Einklang mit einer positiven Entwicklung der Welt geschehen. Wahre Kreativität hat nicht nur den Fokus auf einer Sache und egoistischen Zielen sondern betrachtet die Folgen für die Umwelt, und ist somit auf eine umfassende Entwicklung gerichtet. Für Sri Aurobindo gibt es keine Trennung der einzelnen Teile, sondern alles ist miteinander verbunden und verwoben. Umgekehrt gibt es auch keine unnützen oder überflüssigen Teile, sondern jedes hat in seiner echten Individualität seinen Sinn und Platz. Das bedeutet, dass es Unmengen an Ressourcen gibt, die aber durch heutige Sichtweise und Organisation nicht erkannt und damit nicht genutzt werden

Für Sri Aurobindo ist der heutige Mensch nur eine Durchgangsstufe, dessen Höherentwicklung aber nicht nur in einer Weiterentwicklung von Denkfähigkeit und Technik zu sehen ist, sondern in wesentlich umfassenderem Maße. Allerdings war er schon damals skeptisch, ob dies den Menschen gelingen oder nicht doch erst eine andere Spezies dies vollbringen werde. Der heutige Blick auf den Zustand der Welt verstärkt eher noch diese skeptische Einschätzung als das er Hoffnung aufkeimen ließe.
Aurobindos spirituelles Grundthema, welches nicht aus philosophischen Überlegungen sondern aus seinen Erfahrungen während seiner spirituellen Übungen entstanden ist, steht im Gegensatz zu vielen spirituellen Schulen des Hinduismus und des Buddhismus, von deren letzten Zielen – einer Überwindung der Welt und eines Aufgehens im Satori oder Nirwana u. ä. – er sich immer wieder abgrenzend in seinen Schriften auseinandersetzt, ist die Integration der Spiritualität in das Alltägliche. Die Entwicklung des Menschen ist ausgerichtet, zu einer wesentlich höher entwickelten Seinsstufe, die auch dessen materielle Manifestation mit einbezieht. Dies ließe sich in Umkehrung zur christlichen Aussage „Gott ist Mensch geworden“ etwa ausdrücken als „der Mensch wird Gott“ weil er sich ihm überlässt, damit dieser sich an sich und seiner Schöpfung in seinem Sinn weiterentwickeln und erfreuen kann“. Der einzelne ist aber gleichzeitig (auch hier wieder der Gegensatz zu vielen spirituellen Lehren die nur ein „entweder-oder“ kennen) Teil eines allumfassenden EINEN wie auch das Gesamte in einem dem einzelnen innewohnenden Bewusstseins. Also wie bei der Blockchain: Der einzelne hat auch das Wissen des Ganzen sobald er den Zugang zu diesem Bewusstsein gefunden hat.

Doch bis dahin ist es ein weiter Weg und für die momentane Ausgangssituation ist es hilfreicher ,sich auf das zu konzentrieren, was Hier und Jetzt die Entfremdung bewirkt und welcher Weg dort herausführt. Andernfalls kann es leicht zu dogmatischen Auseinandersetzungen kommen, mit sich selbst oder anderen, die einem eine gute Chance zu einer wirklichen Weiterentwicklung in einen natürlichem Zustand verbauen, weil irgendwelche Weltanschauungen ein „Sich-Einlassen“ verhindern. Die einzige Voraussetzung ist, sich mit einer bedingungslosen Offenheit vorurteilsfrei auf die Wahrnehmung des eigenen momentanen Seins-Zustandes einzulassen. Gelingt dies, wird ein Wahrnehmungszustand erreicht, den die Inder mit dem Sanskritbegriff „Viveka“ benennen. Das unbedingte und uneingeschränkte Erkennen dessen, was wahr und stimmig ist.

Kurzbiografie von Sri Aurobindo
1872 in Kalkutta geboren, ab 1879 ausschließlich westliche Erziehung und Bildung in England. Wandte sich schließlich aber den Ideen von Freiheitskämpfern zu und begann, sich für die indische Unabhängigkeit sich zu engagieren. Mit 20 Jahren Rückkehr nach Indien. Dort weiterhin Engagement für die Freiheit Indiens aber auch Beschäftigung mit spirituellen Praktiken.
1908 wegen seiner politischen Agitation und eines Bombenattentats Verhaftung und Gefängnis in einer Einzelzelle. 1909 Freispruch, da sich ein „Entlastungszeuge“ fand. 1910 Um der Verfolgung der Briten zu entgehen Umzug nach Französisch Indien Niederlassung im endgültigen Wohnsitz in Pondicherry.
1926 zusammen mit Mirra Alfassa (Mutter) Gründung des Sri Aurobindo Ashram. Intensive schriftstellerische Tätigkeit und spirituelle Experimente. Ab 1945 auch die Planung und Umsetzung einer zukunftsorientierten Stadt geistiger Freiheit für Menschen aus aller Welt (Auroville 1966 Unterstützung von der UNESCO beschlossen).
1950 verstarb Aurobindo. Seine Ideen und vor allem auch seine spirituellen Experimente, die geistige Entwicklung auch auf körperlicher Ebene zu Veränderungen im Sein zu führen, werden von Der Mutter fortgesetzt und sind in ihrer Agenda teilweise beschrieben.

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